Mittwoch, 11. Juni 2014

Von Tocache nach Yurimaguas

Hallo Leute und viele Gruesse aus Iquitos, der groessten Stadt der Welt, die nur per Flugzeug oder Schiff erreichbar ist. Die Tatsache dass ich mich melde verraet es ja schon:
Wir haben unser Dschungelabenteuer ueberlebt!!! Obwohl wir manchmal selber nich mehr dran geglaubt haben. Also jetzt keine voreilige Panik, gab in so fern keine wirklich gefaehrlichen Situationen aber es war einfach mal wieder uebelst anstrengend. Aber die Ankuendigung, es wuerde alles TIEFER. WILDER, URSPRUENGLICHER werden, wurd auf jeden Fall mehr als umgesetzt.
Aber ich will mich mal zurueck halten und versuchen alles nach der Reihe zu erzaehlen:

Tocache und das leckere Essen

Also die erste total interessante Situation beginnt gleich dort wo mein letzter Bericht geendet hat, naemlich mit unserer Ankunft mit den Packrafts in Tocache, denn dort erwartete uns gleich eine ganze Schar von dort badenden oder fischenden Peruanern die natuerlich gleich voellig fasziniert von unseren Booten waren uns jeden unserer Handgriffe genauestens beobachteten wie wir sie Rucksackfertig wieder zusammenpackten. Die Kinder waren fasziniert von meinem Trinkschlauch und ich musste ihnen natuerlich gleich zeigen wie das funktioniert. Zum Glueck hatte ich meine GoPro Kamera noch aufm Kopf und angeschaltet, sodass diese Szenen auf jeden Fall in unser Video spaeter eingebaut werden. Bis dahin muesst ihr eure Vorstellungskraft spielen lassen, sorry.
Unten am Fluss haben wir auch gleich einen aelteren Herrn kennengelernt der uns auch gleich half nen Hotel zu finden und uns dann dort auch spaeter besuchte um uns zu sich nach Hause einzuladen. Die Gelegenheit liessen wir uns natuerlich nicht entgehen und so gingen wir nach erstem Auspacken und Trocknen der Klamotten und einer mehr als notwendigen eigenen Dusche gings hinein in die gute peruanische Stube.
Unser Gastgeber war Anfang 70, pensionierter Mathelehrer und betreibt mit seiner Familie noch einen kleinen Einkaufsladen der direkt mit der Wohnung verbunden ist. Ausserdem baut er sich fast alles selber, wie ein, wie er es nannte "deutschen" Ofen, da er ihn so modern fand (war aber dennoch mit richtigem Feuer), sein eigenes Wassersystem, da das Wasser der Stadt zu gewissen Zeiten ungeniessbar ist,...

... natuerlich schwamm in einem kleinen Teich auch eine Schildkroete...

...und sein Meerschweinchenstall draussen. Diese dienen einerseits als "Vernichter" fuer die ganzen Schalen der Fruechte die er in seinem Shop als Saft verkauft, aber so suess sie auch aussehen, in Peru dienen sie halt auch noch als Nahrung. Vorher als ich mit Jo unterwegs war haben wir ab uns zu schon ueberlegt mal Meerschweinchen zu essen, aber dann haben wir die Nacht in dem Stall verbracht wo sie wieder so suess aussahen und dann gabs in den Restaurants auch immer nur Sonntags das Angebot. Und da ich ja frueher als Kind ein Meerschweinchen als Haustier hatte (und es NICHT gegessen hab!) dachte ich mir halt irgendwann, hat es mit dem Probieren halt nicht sollen sein und es als Zeichen gesehen. Doch als unsere Gastgeber sich dann angeboten hat uns fuer den naechsten Tag zum Meerschweinchenessen einzuladen hab ichs wieder als neues Zeichen gesehen und die Neugier und die Hoeflichkeit haben ueberwiegt und so haben wir zugesagt. Wenn wir gewusst haetten was uns erwartet haetten wir vielleicht noch etwas laenger gezoegert. Denn was ich vergessen hatte zu erwaehnen ist, dass er auch ein begeisterter Angler war und was uns da am naechsten Tag erstmal vorgesetzt wurde verschlug uns schon erstmal etwas die Sprache:

Mit einem solchen Teller vor uns wussten wir erstmal nicht viel anzufangen


Zuerst dachte ich es waer vielleicht nur eine recht aufwendige Dekoration fuer eine Suppe (oder vielleicht hoffte ich es auch einfach nur), als er meinte man koennte ihn essen hielt ich es noch fuer einen peruanischen Scherz, doch als er dann seine Frau auf Spanisch nach nem Teller fuer die Graeten bat war klar: Dieses Urvieh da auf dem Teller wird wirkich gegessen! Und so liessen wir uns interessiert zeigen wie wir das angehen: Also erstmal Fisch in die eine Hand, Kopf in die andere, nach oben biegen und so abreissen.Wer jetzt aber denkt dass der Kopf auf den Graetenteller kommt der irrt gewaltig. Also Kopf in beide Haende und weiter aufbrechen. Bei einem Blick hinein und meiner Frage was man davon alles mitessen koennte meinte er nur lachend "Alles" und holte auch schon gekonnte seinem Fisch etwas unbekanntes aus dem Kopf uns steckte es sich in den Mund. Jetzt war es eh fuer einen Rueckzieher zu spaet, also Augen zu, Mund auf und rein damit. Der Geschmack war aber ueberraschend gut und so verflog die anfaengliche Abneigung und die Neugierde und der Hunger uerberwogen. Von rechts hoerte ich aus Andis Mund noch kurz einen "Ich kann den Kopf nicht essen" doch schon kurz danach wuehlten auch seine Finger in dem Fischschaedel herum und zogen ein Stueck nach dem anderen heraus. Unser Gastgeber meinte noch erwaehnen zu muessen, dass Fische sehr kleine Gehirne haben, worauf Andi nur trocken meinte "ich glaub das hab ich schon gegessen" :)
Wenigstens die Eingeweide wurden vorher schon irgendwie entfernt und so widmeten wir uns nach dem Kopf dem restlichen Koerper mit wesentlich mehr Mut. Vor allem weil er wirklich sehr lecker war. Viele wissen ja bereits von mir schon, dass Fisch eigentlich nicht zu meinen Lieblingsgerichten zaehlt aber Fluss- also Suesswasser-Fische sind echt nochmal was anders nud wirklich schmackhaft! Und eine Erfahrung war es auf jeden Fall wert! Doch das war ja erst die Vorspiese und grad als wir die letzte Graete auf unserem Teller abgelegt und unsere Finger wieder einigermassen sauber waren wurd auch schon der Hauptgang hingeschoben!

Gluecklicherweise sah das Meerschweinchen nicht mehr ganz so lebensecht und suess aus wie hoppelnd am vorigen Tag.


Und nach unserem Fischerlebnis konnte uns nichts mehr so leicht schocken und so liessen wir uns wieder zeigen wie man es am Besten isst und brachen so ein kleines Beinchen nach dem anderen ab und nagten das leckergewuerzte aber doch eher spaerliche Fleisch von den Knochen des gestern noch hoppelnden und quickenden Fellknaeuls. Entschuldigt bitte diese etwas derbe Beschreibung, ich moechte auf keinen Fall taktlos hier erscheinen, ihr sollt nur ungefaehr mitfuehlen koennen was mir manchmal durch den Kopf geht. Aber jeder der irgendwie Fleisch isst sollte sich fragen warum es verstretbarer ist ein Huehnchen oder Lamm zu essen als ein Meerschweinchen. Ich mein ich braeuchte es jetzt auch nicht immer und wenn man am Markt die lebenden quickenden oder gurrenden Schnuckis sieht wird mir auch manchmal ganz anders aber diese eine Erfahrung bereue ich nicht...und ihr verurteilt mich deswegen bitte auch nicht :)
Doch genug der schaurigen Geschichten, auf jeden Fall war es eine super Erfahrung William (unseren Gastgeber) und sein Familienleben kennenzulernen! Danke fuer das Erlebnis (auch wenn du das hier wahrscheinlich nie lesen wirst)!!!

In der Mitte unser Gastgeber, rechts eine seiner Toechter und links wir beiden

Tarapoto - Yurimaguas

Doch auch hier hiess es irgendwann wieder Abschied nehmen und am naechsten Morgen gings mit nem Auto weiter richtung Norden, naechster Halt Tarapoto.
Da es vor der Abfahrt schnell gehen musste blieb uns noch noch ein Menue To-Go vor der Abfahrt. Tja und da zu so nem Menue hier auch immer ne Suppe gehoert gabs die auch zum Mitnehmen...natuerlich in ner Plastiktuete. Und da man Essen ja nicht einfach vergeuden will blieb uns nichst anderes uebrig als sie aus der Tuete zu schluerfen.

Auf dem Bild siehts glaub ich eher so aus, als haett ich am Vortag zu viel gesoffen
und wuerd ich die Tuete grad eher fuellen :D


Da die meisten peruanischen Staedte vom Stadtbild her nicht so viel zu bieten haben und Tarapoto nur eine weitere laute grosse Stadt war nutzten es nur fuer einen naechtlichen Zwischenaufenthalt nach der mehr als anstrengenden gequetschten holprigen Autofahrt voll von peruanischer Musik und Comedy in schlechter Qualitaet.

Staedte sind aber willkommen fuer ein leckeres Essen begleitet
mit einem der super leckeren frischen Saefte hier.


Ausserdem hatte uns noch das Dschungelfieber fest in seinem Griff und die Vorfreude wuchs von Minute zu Minute. Also gings am naechsten Morgen gleich weiter bis Yurimaguas!
Hier war ja das eigentliche Ziel unserer vorher geplanten 3 woechigen Hullaga-Befahrung doch beim Blick auf den Fluss waren wir froh, dass wir uns umentschieden hatten denn bis hier haette sich vom Umfeld nicht sonderlich viel geaendert.
Der Plan war einen Tag Pause fuer Vorbereitungen und Einkaeufe fuer unsere geplante Dschungeltour und dann mit einem Flussdampfer fuer 2 Tage den Fluss runter bis Nauta, einer Stadt auf dem Weg nach Iquitos und in der Naehe des Nationalparks, den wir uns als Platz unserer naechsten Dschungelerfahrung ausgesucht hatten.
Ich weiss nicht ob es euch vorher mal aufgefallen ist, aber bei meinem Beitrag vom Huallaga stand mit doch trotz der entspannten Bootsfahrt immer wieder der Schweiss auf der Stirn. Das lag natuerlich zum einen am immer feuchter und heisser werdenden Klima, aber die "Wolle" aufm Kopf hat dabei nicht grad geholfen. Tja und da meine bisherigen Reisen immer von irgendwelchen Frisurtechnischen (meist) Ausrutschern begleitet wurden wollt ichs mir auch bei diesem Mal nicht nehmen lassen und hab den Aufenthalt in Yurimaguas fuer einen Besuch bei einem Frisoer genutzt ...oder war es eine Frisoese??? Schwer zu sagen!
Tja und so hab ich meine Haarpracht in die Haende dieser Transvestiten-HaartechnikerIn gegeben

Obwohl ich ihr/ihm gesagt hab ich moechte nen Iro haben hat sie mir nochmal nen Prospekt mit Beispielbildern in die Hand gedrueckt. Glaub sie wollte meine Locken nich einfach abschneiden.


Tja, das Bild kam wohl am Ehestem dem, was ich wollte! Hoffen wir das Beste!


Also hiess es Haare hochstecken (natuerlich mit rosa Spaengchen)
und losgeschnibbelt!



Und schon bald vielen die Haare und der Bart
und schon sah der Alex wieder weniger nach gestandetem Robinson Crusoe aus.


Leider gibts kein gescheites Abeschiedsbild doch im weiteren Verlauf folgen noch mehrere mit meinem neuen Look! An alle die, die laengere Haare auch cooler finden: Keine Angst, ich lass sie mir wieder wachsen!!!

Jetzt konnte es losgehen, doch die Bootssuche gestaltete sich alles andere als einfach und so hiess es erst wir koennten keinen Platz kriegen, dann nur einen Kabienenplatz (den wir aber eh wollten wegen der Video- und Fotoasuruestung), doch dann sollte es auf einmal doch nicht gehen da der Kapitaen auf einmal meinte, dass wohl doch Tiere auf dem Schiff transportiert werden wuerden und daher keine Passagiere zugelassen werden. Ein Hafenmitarbeiter der uns das Schiff gezeigt hat meinte wir sollten es einfach morgen mittag nochmal probieren, also noch einen Tag im Hotel verlaengern und abwarten. Wieder mal ein Beispiel fuer die peruanische Gelassenheit und Unorganisiertheit. Wir hatten auch noch die Option mit einem Schnellboot die ganze Strecke in einem halben Tag zurueckzulegen, doch das waer uns natuerlich zu touristisch und es wuerd viel vom feeling verlieren. Am naechsten Tag kam der Hafenarbeiter sogar mittags zu unserm Hotel um uns mitzuteilen dass es noch ein anderes Boot gaebe, aso wieder hin zum Hafen, und tatsaechlich sollte ein anderes Schiff mit Passagieren ablegen, allerdings erst am Folgetag...jaja die Peruaner. Doch wir konnten unsere "Kabine" schon beziehen und uns auch einen Platz an Deck mit der Haengematte sichern und die Nacht auf dem Boot verbringen. Also zurueck zum Hotel, Sachen gepackt, ausgecheckt und erstmal aufm Boot gemuetlichen machen...unserem "zuhause" fuer die naechsten 3 Tage!
Damit der Beitrag nich zu lang wird schliess ich mal hier ab und werd eine Fortsetzung in den naechten Tagen folgen lassen. Schonmal Respekt an alle die, die es bis hierhin durch den gesamten Text geschafft haben :)

Also, geniesst die sommerlichen Temperaturen, fuer alle die, die grad in Deutschland oder einem anderen sommerverwoehnten Land sind. Fuer den Rest: Hitze kann auch uebelst anstrengend sein, macht das Beste aus den Umstaenden!!!

Viele Gruesse und bis zum meinem naechsten Beitrag, wenn es WIRKLICH in den Dschungel geht!


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