Hallo Leute und ein feucht-warmes SERVUS aus Perus Dschungel.
Wie schon angekuendigt ging es nach den Bergen auf in Richtung Dschungel, das bedeutete zu erst erinmal viel Fahrerei. Ausserdem gibt es in diesen Gegenden auf Grund der schlechten Strassenverhaeltnisse schon keinen richtigen Busverkehr mehr sondern nur Vans oder Autos, was zwar wohl etwas schneller geht, aber die fast auseinanderfallenden Auto sind wesentlich unbequemer als die ueberraschend gut ausgestatteten peruanischen Reisebusse. Aber was solls, man muss nehmen was man kriegen kann und so quaelten wir unsere schnell wunden Hintern ueber die holprigen Berg- und Waldstrassen.
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| Zum Glueck gabs als Abwechslung immer mal wieder schoene Ausblicke in die letzten Auslaeufer der Bergwelt |
Wir machten immer wieder Zwischenhalte in auf dem Weg liegenden Staedten zum Essen oder auch mal eine Nacht zu verbringen bis wir endlich in unserem Ziel
Tingo Maria ankamen!
Hier hiess es erstmal eine kurze Verschnaufpause und Besorgungen wie Essen zu organisieren um uns fuer unser bevorstehendes Abenteuer auszuruesten. Geplant war eine Befahrung des Huallaga-Flusses (einer der Quellfluesse des Amazonas) ca 2,5 Wochen und 710 km weit bis Yurimaguas.
Doch am Abend bevor es losgehen sollte meldete Andi leichte Uebelkeitsgefuehle an und kurz danach gings auch schon los mit allem moeglichen, auf das ich jetzt nich weiter eingehen moechte. Ich dachte nur "Armer Andi, nicht schon wieder!", erst die Berge, dann der Dschungel, aber beruhigte ihn, dass wir ja keinen Zeitstress haben und auch ruhig einen Tag spaeter fahren koennten. Tja und ca 4 Stunden spaeter gings dann auch bei mir los und ich dachte mir: " Armer Andi...und armer Alex!". Wir wissen bis heute nich genau, was wir falsches gegessen oder getrunken haben, vermuten aber, dass eins der Erfrischungsgetraenke im Restaurant mit Leitungswasser angemischt wurde (das sollte man hier tunlichst meiden) oder zumindest mit Leitungswasser-Eis gekuehlt wurde. Was es auch war, die Auswirkungen hinderten uns jedenfalls beide daran am naechsten Tag zu starten, und so verbrachten wir einen jaemmerlichen Wartetag damit uns im Bett zu waelzen und uns immer mal wieder zur Toilette zu quaelen. Gluecklicherweise gings uns beiden am folgenden Abend schon wieder besser und am naechsten Morgen nach einem vorsichtigen Fruehstueck stand dem Start ins Abenteuer nichts mehr im Wege.
Wir hatten uns den Huallaga gleich am ersten Tag schon voller Vorfreude und Spannung schon angeschaut. Wie wuerde der Wasserstand sein? Ist eine Befahrung ueberhaupt moeglich? Wie sind die restlichen Bedingungen? Schon bei der ersten Betrachtung erschreckte uns der ganze im Fluss schwimmende Muell. Scheinbar gab es keine funktionierende Muellentsorgung in ganz Tingo Maria, beziehungsweise sie funktionierte so, dass man einfach alles in den Fluss oder Ufernaehe kippte und hoffte, dass es der naechste Regenguss wegspuelte - Aus den Augen, aus dem Sinn! Erst sah es sogar so aus, als sei solch eine Muellkippe unsere einzige Einstiegsstelle. Das waer kein schoenes Startbild geworden, doch zum Glueck haben wir auf der anderen Flussseite noch eine bessere sandige Stelle gefunden und so konnte unser Trip am 22.05. endlich beginnen
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| Gut gelaunt und voller Abenteuerlaune - kurz vorm ersten Wasserkontakt |
Ehrlich gesagt war mir schon ziemlich mulmig zu Mute da erstens der Fluss fuer mich schon sehr gewaltig aussah und ich ausserdem im Gegensatz zu Andi noch nie in so nem Packraft gesessen hab...na gut ausser einmal bei meinen Eltern in Bielefeld im Flur aber das hat mich in dieser Situation auch nich so wirklich beruhigt. Aber was hilfts, jetzt umkehren kam eh nicht wirklich in Frage und Andis selbstsicheren Worte, dass diesen Tag eh noch keine Schwierigkeiten auf uns warten wuerden steckten mich auch ein bisschen an und die Vorfreude ueberwog langsam.
Also Boote zu Wasser lassen, selber mit einsteigen, vom Ufer abstossen...und LOS GEHTS!!!
Gluecklicherweise bin ich nicht wie erst befuerchtet gleich am Anfang umgekippt und schnell stellte sich das Hochgefuehl ein, als uns der Strom erfasste und erstaunlich sicher aber zuegig (ca 10km/h) mit sich aus der Stadt nahm.
Doch schon hinten den ersten Biegungen wurde das Wasser ploetzlich unruhig und ein lauten Rauschen schien rasch naeher zu kommen. Hatten wir uns vielleicht geirrt? War hier doch irgendwo ein Wehr oder Staudamm aufgebaut worden? Durch einen Erdrutsch eine Stufe im Fluss entstanden? Ein kleiner Wasserfall? Die vorher angenehm flotten 10km/h wirkten ploetzlich beunruhigend, aber anhalten war jetzt eh nicht so leicht moeglich bei dem dicht bewaldeten Ufer also hiess es das Beste hoffen und drauf los.
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| Der vorher recht ruhig Fluss wurde schnell unruhig |
Der Fluss teilte sich haeufiger, floss dann in Verwirbelungen wieder zusammen, kurz gesagt, es war alles andere als die erwartete Ruhe! Mehr als einmal schlugen uns Wellen ueber unsere Rucksaecke und Spritzschutzdecken. Alles in allem war es alles gut im Bereich des Moeglichen und wir kamen auch gut durch die Hindernisse hindurch bzw wo moeglich drum herum, doch wenn das wirklich der vorausgesagte "sehr ruhige Abschnitt", was wuerde uns dann weiter unten am Fluss erwarten? Etwas verunsichert aber dennoch gut gelaunt trieben wir stetig weiter den Amazonaszufluss entlang durch den peruanischen Dschungel.
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| Gut ausgeruestet und voller Tatendrang gings nach ersten Ueberaschungen weiter |
Nach den ersten Schreckminuten gings dann aber doch recht gemuetlich weiter, aber dennoch war immer wieder Vorsicht geboten wenn es irgendwo mal wieder Verwirbelungen gab, oder sich rausgerissene BAeume im seichteren Wasser verfangen hatten und so mit ihren spitzen Aesten fuer gefaehrlliche Hindernisse fuer unsere luftgefuellten Wildwasserboote sorgten.
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| Zwischen den kritischen Stellen war auch immer wieder Zeit sich zurueckzulehnen und die endlos vielen Gruentoene des Urwaldes rechts und links zu bewundern |
Gegen Abend hiess es dann nach einem geeigneten Platz zum Zelten Ausschau halten. Zum Glueck gab es immer wieder sandige Uferstellen die gut zum Campen einluden.
Dann hiess es immer Rucksaecke abladen, Zelt aufbauen, Tarp aufbauen, Feuerholz sammeln, Kochsachen bereitlegen,...und dann endlich Essen und entspannen!
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| Wenn alles schoen vorbereitet ist, der Wassertopf ueberm Feuer koechelt, das Holz knackt, die Flasche "Captain Morgan" die erste Runde macht und weit und breit keine Spur von Zivilisation zu erkennen ist....DAS IST FREIHEIT!!! |
Wobei das mit "keine Spur von Zivilisation" ist etwas falsch ausgedrueckt. Zwar gabs keine lebenden Menschen drum herum, doch leider verfolgte uns weiterhin das oben schon genannte Muellproblem und so stiessen wir beim Feuerholz sammeln neben zahlreichen Plastiktueten sogar Krankenhausmuell wie Kanuelen und Fusionsbeutel. Dementsprechend sank unsere Begeisterung uns im Fluss zu waschen und selbst trotz unserer Entkeimungstabletten wollten wir es nicht riskieren vom Flusswasser zu trinken. Schade, dass dadurch einiges von dem Freiheitsgefuehl getruebt wird. Daher nutz ich hier nochmal die Gelegenheit: Leute, nutzt so wenig Plastik wie moeglich!!! Und sollte euch in naechster Zeit ein Krankenhausbesuch bevorstehen: Verzichtet auf Kanuelen und Fusionsbeutel :)
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| Trotz des Muells am Strand war der Blick in den Wald einfach gigantisch...und dazu der Gedanke grad auf einem Amazonas-Zufluss zu paddeln, etwas was vielleicht in den letzten Jahren vielleicht hoechstens eine Hand voll anderer Europaeer gemacht hat....das ist schon ein wahnsinniges Gefuehl! |
Zum Glueck wurd der Fluss die naechsten Tage immer ruhiger und die kleinen Stromschnellen ab und an waren eher mal eine willkommene Abwechslung- Ansonsten blieb viel Zeit die gruenen Waende rechts und links zu bewundern, die allerdings auch immer wieder von gepflanzten Bananenplantagen unterbrochen wurden. Das war zwar immer wieder ein Zeichen von Zivilisation aber auch immer ein tolles Schauspiel wenn du Arbeiter die Bananenstauden mit ihren langen schmalen Canoas von einem Flussufer zum anderen transportierten
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Immer wieder sieht man am Flussufer die kleinen Einstiegsstellen zu den Plantagen und haeufig auch die dort arbeitende Bevoelkerung auf ihren Booten.
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| Ansonsten hiess es die uliegenden Natur bewundern... |
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| ...und sich treiben lassen. Eine wesentlich entspanntere Art voranzukommen, verglichen mit den Anstrengungen am Berg! |
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| und immer wieder kamen wir an kleinen Sidlungen vorbei, die ohne Probleme ein Drehort fuer jeglichen Piratenfilm haetten sein koennen. Herrlich idyllisch! |
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| Und so zogen die Tage ins Land...und die Naechste. Doch alngweilig wurde es eigentlich nie! |
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| Nur Affen oder andere seltene Tiere (ausser bunte kreischende Voegel, Schmetterlinge und jegliche Insekten (allesamt mindestens doppelt so gross wie in Deutschland) bekamen wir noch nicht zu sehen....und so musste ich als Affenersatz fuer Andis Bild herhalten |
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| Da hab ich den Fotographen auch mal mit seiner Kamera vor die Linse bekommen: Andi mit Flussfuehrer und Begleiter! |
Zweimal konnten wir unsere Wasservorraete in einem zufliessenden Bach oder mit morgendlichem Regenwasser auf unserem Tarp auffuellen doch einmal waren wir doch "gezwungen" anzulegen und Wasser in einem Shop eines nahegelegenen Dorfes zuzukaufen.
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| Die Zwangspause nutzten wir gleich mal fuer ein Essen, anders als unser Instantessen sonst und dazu natuerliich auch fuer ein kleines Schwaetzchen mit der dortigen Bevoelkerung. |
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Besonders neugierig sind immer die Kinder. Dieses Maedchen drehte den Spiess auch gleich um und machte im Gegenzug von uns Fotos.
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| Doch auch die Erwachsenen waren hier alles andere als Kontaktscheu. Diese Truppe hier zeigte uns ganz stolz ihr neuen Boot an dem sie grad bauten, |
Aber nach der leckeren Staerkung und den netten Bekanntschaften gings auch hier wieder weiter
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| ....mit der alt bekannten Aussicht... |
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| ...durch die wunderschoene gruene Natur! |
Doch in uns reifte der Gedanke, dass wir doch auch nochmal was anderes erleben wollten. Der Fluss war doch sehr breit und die Natur um uns herum aenderte sich nur langsam. Ausserdem war da immer noch der Muell der uns begleitete und bei unserer Rast im Oertchen haben sie uns auch nochmal gewarnt vor dem doch staerker werdenden Fluss nach der naechsten groesseren Stadt Tocache.
Also liefs nach kurzer Zeit Beratung darauf hinaus, dass unser vorlaeufiges Ziel unserer Huallaga-Expedition Tocache sein wuerde und es von da aus erstmal mit Auto weiter in den Dschungel gehen wuerde und dann von Yurimaguas (unser eigentliches Ziel) dann weiter in den dort gelegenen Nationalpark.
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| Also noch ein letztes Mal ins Boot gesetzt.... |
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| ....die Ruder in die Hand genommen und weiter gings....Ziel:Tocache!! |
Tja und so endete vorlaeufig unser Huallaga-Abenteuer, nach 5 Tagen und 210 zurueckgelegten Flusskilometern, von Tingo Maria in Tocache. Doch ihr koennt euch sicher sein, bald melden wir uns wieder, mit neuen Geschichten aus dem peruanischen Dschungel - TIEFER. WILDER, URSPRUENGLICHER!!!